Begegnungswoche

Begegnungswoche mit ehemaligen Ingelheimer Juden und ihren Angehörigen 2008

Die Stadt Ingelheim hat in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Israelischen Freundeskreis (DIF) vom 7.-13. November 2008 zum zweiten Mal ehemalige Ingelheimer Juden zu einer Begegnungswoche eingeladen. 24 Personen aus Israel, den USA, Argentinien und Deutschland kamen. Es kamen die ehemaligen Ingelheimer mit Ehepartnern und Kindern, die sie begleiteten. Einigen Großeltern war dieser Besuch so wichtig, dass sie ihren Enkeln den Flug bezahlten. Die Besucher waren zwischen 14 und 88 Jahren alt.

Die Gäste zu Besuch im Mainzer Landtag
Für die Gäste  wurde ein volles Programm organisiert. Am Samstag unternahmen sie eine Rundfahrt durch Ingelheim. Sie sahen die Burgkirche und die Kaiserpfalz und waren unterwegs interessiert daran die Häuser zu sehen, in denen ihre Vorfahren einst lebten und arbeiteten. Für Lucien Greif war es besonders bewegend, auf dem Friedhof neben der Kaiserpfalz den Grabstein seiner Ur-Ur-Ur-Großmutter zu sehen.
Am Nachmittag erwarteten sie Schülerinnen und Schüler von vier Ingelheimer Schulen bereits an den neu gesetzten Stolpersteinen. Sie gedachten der ermordeten und vermissten Familienangehörigen und verlasen ihre Lebensgeschichte.
Famile Neumann vor dem Haus Bahnhofstraße 23
Schülerinnen und Schüler verlesen die Lebensgeschichte von Karl und Lilly Neumann, die mit ihren Kindern Walter, Liesel und Hans (Bildmitte), hier einst lebten
Anschließend nahmen die Gäste an der Eröffnung der Ausstellung im Museum an der Kaiserpfalz über das jüdisches Leben in Ingelheim vom späten Mittelalter bis 1942  teil.
Die Familie Neumann tauscht im Museum Familienerinnerungen aus
Die Familie Neumann tauscht im Museum Familienerinnerungen aus

Am Sonntag morgen, dem 9. November besuchten die Gäste aus Argentinien, den USA, Israel und Deutschland die Gräber ihrer Angehörigen. Schülerinnen und Schüler der Ingelheimer Schulen hatten diesen Besuch vorbereitet und die Angehörigen zu den Gräbern ihrer Vorfahren geführt.

Harold Neumann beim Studium seiner Familiengeschichte

 

Schülerinnen und Schüler im Gespräch mit den Angehörigen.

 

 

 

Schülerinnen und Schüler im Gespräch mit den Angehörigen. Harold Neumanns Mutter stammte aus Ingelheim und war eine Tochter des Pferdehändlers Ferdinand Nathan war, der in der Bahnhofstr. 88 lebte. Viele Gräber dieser Familie bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts sind auf dem Friedhof in der Hugo-Loersch-Straße
Am Sonntag, den 9. November, dem 70. Jahrestag des Novemberpogroms 1938, wurden durch die Stadt Ingelheim und den DIF Kränze an der Stele niedergelegt, die an die Synagoge erinnert, die während des 10 November 1938 zerstört wurde. Kantor Avigdor Stern aus Frankfurt sang das Totengebet für die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur. Im Anschluss fand die Gedenkfeier unter großer Teilnahme der Ingelheimer Bevölkerung statt.
Am Montag, den 10. November besichtigten sie die Chagallfenster in der St. Stephanskirche in Mainz, dem einzigen Ort in Deutschland, an dem der Künstler ein Werk schuf. Zum Empfang durch den Direktor des rheinland-pfälzischen Landtags, Herrn Dr. Lars Brocker fuhren sie weiter zum Deutschhaus. Dr. Brocker erzählte die Geschichte dieses Hauses und betonte insbesondere die demokratischen Perioden, die dieses Haus seit 1792 immer wieder erlebte. Er wies auf die schwarz-rot-goldene Fahne vom Hambacher Fest hin, die hier an die demokratische Tradition erinnert: „Immer, wenn diese Fahne wehte, ging es Deutschland gut“, sagte er.  Später empfing Landrat Claus Schick die Besucher  in der Kreisverwaltung.
Landtagsdirektor Dr. Lars Brocker erklärt das demokratische System des Landes Rheinland-Pfalz

 

Den Abend verbrachten die Gäste in Ingelheimer Familien. Die Jugendlichen Teilnehmerinnen zogen mit neuen Freundinnen aus Ingelheim durch die Straßen der Stadt.
Am Dienstag, den 11. November sprachen die Zeitzeugen vor Schulklassen in der  Albert-Schweitzer-Schule, der Integrierten Gesamtschule, der Realschule und dem Gymnasium. Viele Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich als  Vorbereitung auf den Besuch mit den Lebensgeschichten der Menschen und ihrer Verbindung zu Ingelheim. Die Schülerinnen und Schüler konnten erfahren, wie es den Menschen in Deutschland zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur erging und was es für sie bedeutete, neu in einem fremden Land beginnen zu müssen. Ein Vater der aus der Türkei sstammt und dort zur Alewitischen Minderheit gehört, betonte, wie wichtig es ihm ist , dass seine Familie hier in Sicherheit leben kann.
Begegnungen in der Realschule Schülerinnen aus Amerika und Ingelheim
knüpften Kontakte und tauschen E-Mail Adressen aus …

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… anschließend werden sie von Oberbürgermeister Dr. Joachim Gerhard empfangen …
… und trugen sich in das Goldene Buch der Stadt ein.