Familie Otto Mayer

2 Mainzer Str. 31 Familie Otto Mayer

Otto Mayer
Otto Mayer     1882 – 1942

Otto Mayer, *20.06.1882, verhaftet 1942, Lager Neustrum, Emslandlager V, ermordet 1942.

Olga Mayer, geb. Mayer, *14.07.1886, deportiert 1942 Richtung Osten, vermisst, Todesdatum unbekannt.

 

 

 

 

Margot Mayer
Margot Mayer 1922 – 1942

Margot Mayer, * 31.12.1922, deportiert 1942, Piaski / Lublin, vermisst, Todesdatum unbekannt.

Mayer Otto_ Meyer1998 S368
Otto Mayer als Schüler der Höheren Bürgerschule Ingelheim, ca. 1902. heute Mehrgenerationenhaus. Die heutige Eingangstüre ist noch die gleiche wie auf dem Foto. Foto: Meyer 1998, S. 368.

 

 

 

 

 

Otto Friedrich Mayer, Jahrgang 1882, war gebürtiger Nieder-Ingelheimer. Die Eltern, die ei-nen Weinhandel hatten, lebten in der Mainzer Straße und danach in der Grundstraße. Ihr Sohn Otto Mayer stieg in den elterlichen Betrieb ein und arbeitete später als Weinhändler und Kaufmann im Außendienst. Geschäftlich war der nur 1,50 Meter große Mann offenbar nicht sonderlich erfolgreich, dafür engagierte er sich ehrenamtlich in der Nieder-Ingelheimer Sani-tätskolonne (heute Rotes Kreuz).
Am 23. Januar 1922 heiratete Otto Mayer die Ober-Ingelheimerin Olga Philippine Mayer, Tochter von Moritz und Henrietta Mina Mayer, die eine Kohlenhandlung in Ober-Ingelheim hatten. Er wurde von den Ober-Ingelheimern der “Kohlen-Mayer” genannt (siehe Verlegestelle 7, Bahnhofstr. 129).
Nach der Hochzeit zogen Otto und Olga Mayer mehrfach innerhalb Ingelheims um. Zuletzt mieteten sie sich bei Familie Mett in der Mainzer Straße ein. Nach dem Pogrom 1938 wurde Otto Mayer zum ersten Mal verhaftet und im KZ Buchenwald interniert.
Nach Novemberpogrom 1938 entschieden sich die Eltern Otto und Olga Mayer, ihre beiden jüngeren Kinder Ruth (13) und Berthold (10) nach Birmingham zu schicken. Nur die älteste Tochter Margot Lea, damals 17, blieb bei den Eltern in Nieder-Ingelheim. Die „Kinderver-schickung“ war möglich, weil sich britische Juden bei ihrer Regierung für die Aufnahme von Kindern aus Deutschland eingesetzt hatten. Sie mussten dafür eine Bürgschaft leisten.
Die drei in Deutschland verbliebenen Familienmitglieder zogen am 9. September 1939 von Ingelheim in die Martinstraße nach Mainz. Doch auch dort holte sie der Terror ein. Am 12. Dezember 1941 wurde Otto Mayer erneut verhaftet. Nachdem er mehrere Haftanstalten und Lager durchlaufen hatte, starb er am 26. April 1942 im Emslandlager KZ Neusustrum. Todes-ursache war laut Krankenakte eine „Kreislaufschwäche“.
Die 19-Jährige Tochter Margot wurde am 20. März 1942 in der Mainzer Wohnung der Mayers abgeholt und in den Osten deportiert. Ihr Mutter Olga Mayer blieb nun allein zurück. Der Kontakt mit ihren beiden jüngeren Kindern in England beschränkte sich auf sporadische Briefwechsel.
Am 30. September 1942 wurde auch Olga Mayer deportiert. Ebenso wie ihre Tochter Margot wurde sie in den Osten verschleppt. Beide wurden zum 31. Dezember 1945 für tot erklärt.
Ruth und Berthold Mayer, überlebten den Krieg in England. Ursula Krechel beschreibt in ihrem Roman “Landgericht” einfühlsam das nicht einfache Schicksal dieser nach England geretteten Kinder. Beide emigrierten 1948 nach New York. Erst Jahre später erfuhren sie vom Schicksal ihrer Eltern und ihrer Schwester Margot.

 

Schülerinnen der Kaiserpfalz-Realschule plus erinnern an Otto, Olga und Margot Mayer. 2010

Ruth Mayer besuchte Ingelheim 1998 auf Einladung des Deutsch-Israelischen Freundeskreises und der Stadt Ingelheim am Rhein. Berthold brach jeglichen Kontakt mit seiner Familie ab.

 

Stolpersteine für Otto, Olga und Margot Mayer

 

An den letzten Wohnort der Familie Otto Mayer in Ingelheim erinnern heute drei Stolpersteine für Otto, Olga und Margot vor dem Haus in der Mainzer Straße 31 (Weingut Mett).