Nachruf auf (Hanns) Harold Neumann – Towson, Maryland

 

Harold Neumann mit Schülerinnen des SMG 2008 beim Besuch der Gräber von Familienangehörigen auf dem Friedhof in der Hugo-Loersch-Straße
Foto: DIF

Der letzte Zeitzeuge der jüdischen Neumann-Familie aus Ingelheim ist im hohen Alter von 96 Jahren, am 09. November 2017, in den frühen Abendstunden, verstorben. Er war der letzte aus der Dynastie der Neumann-Brüder, gebürtig aus Stadecken, später Ingelheim. Es gehörten dazu die Weinhändler Karl und Moritz Neumann mit ihren Kindern Walter, Bertha (Lee), Hans (Harry), Anna und Gerta (Gerti). Beide Eltern kamen in Konzentrationslagern um.

Rechtsanwalt Otto Eduard Neumann war der jüngste der Neumann-Brüder, er wurde der Öffentlichkeit bekannt auf Grund seiner Tätigkeit beim sog. Thyssen-Prozess in Mainz in den Zwanziger-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Er wohnte vor dem Umzug nach Mainz in der Altegasse in Ober-Ingelheim. Sein Sohn Hanns, später Harold, wurde am 17. März 1921 in Mainz geboren. Im Alter von 18 Jahren floh er mit den Eltern vor den deutschen Nazis in die USA. Mit 20 trat er in den Betrieb seines Vaters ein, der in Howell/New Jersey (dem Eierkorb Amerikas) Land gekauft und darauf eine Farm hatte errichten lassen. Der einst angesehene RA blieb bis 1955 in der Geflügel- bzw. Eierbranche tätig, Sohn Harold bis 1963. Letzterer hatte 1949 die Tochter des Nachbarfarmers Schindler, Ruth, geheiratet, beide bewirtschafteten die Farm der Neumanns.

Mit 38 Jahren, im Jahre 1959, entschloss sich Harold noch einmal die Studienbank zu drücken, um Fremdsprachenlehrer zu werden. Seine Frau Ruth hatte zwischenzeitlich ebenfalls studiert, Journalismus, Englisch und Spanisch. Sie schrieb für die Lokalzeitung, arbeitete als Grundschullehrerin und absolvierte nebenher 1966 am Newark State College die Magisterprüfung für den akademischen Verwaltungsdienst. Bis 1989 war sie als Unterrichtsinspektorin, vorübergehend als Schulleiterin in Howell tätig. So waren aus den „Hühnerzüchtern“ Akademiker geworden.

Dies alles erfuhr ich ab 1996, damals besuchte ich mit meiner Frau die USA, um persönlichen Kontakt zu ehemaligen Ingelheimer Juden aufzunehmen. Mit Harold und Ruth trafen wir uns in New York und besonders Harold beeindruckte mich mit seiner Menschenfreundlichkeit sehr. Seine Neugierde auf das, was Ingelheim betraf und seine Aufgeschlossenheit, sie waren sprichwörtlich. Er hatte keinerlei Bedenken, eine Einladung nach Ingelheim anzunehmen, erzählte von seiner Zeit dort, von den gemeinsamen Treffen der Neumann-Familien, von der Kindheit in Rheinhessen. Im September 1998 besuchten er und seine Frau, mit weiteren 11 ehemaligen Juden und ihren Angehörigen, zum ersten Mal die frühere Heimat seines Vaters, Ingelheim.

Es war für alle Beteiligten, Gastgeber und Gäste, ein unvergessliches Erlebnis. Zum Abschied war seine Rede sicher die beeindruckendste des Abends. So sagte er u. a.: „Für all das danken wir Euch, liebe Ingelheimer Gastgeber. Ihr habt uns durch Eure herzliche Aufnahme und die vielen Zeichen Eurer Freundschaft die verschlossene Tür geöffnet und bewiesen, dass die Worte „You can’t go home again“ nicht stimmen, denn wir fühlen uns wieder hier zu Hause.“

Die Begegnung war nachhaltig, schon im Oktober schrieb mir Harold u. a.: „… Wir sprechen noch täglich davon, nicht nur im Kreis der Familie, sondern auch mit unseren Freunden, die sich alle enorm dafür interessieren. Für Anfang November wurde ich von einer jüdischen Organisation gebeten, über unsere Erlebnisse und Eindrücke zu berichten, was sehr leicht ist, denn wir haben ja so viele unvergessliche, positive Erinnerungen. Ich bin immer noch dabei, Dein hoch interessantes Buch, lieber Hans-Georg, zu lesen – mit der Gründlichkeit und Sorgfalt, die es verdient, um dem Inhalt gerecht zu werden. Ich stoße dabei dauernd auf alte, vergessen geglaubte Namen und Ereignisse, wie auch Dinge, selbst meine eigene Familie betreffend, die mir noch nie bekannt waren.“

Im Jahre 2004 trafen wir uns mit seinem Cousin (Hans) Harry Neumann und dessen Frau Miriam in Toms River zu einem angenehmen Austausch und als ich ihm im Juni 2007 schrieb, dass wir die „Ehemaligen“ wieder nach Ingelheim einladen wollen, schrieb er mir zurück: „Welch freudige Überraschung, unsre E-Mail zu öffnen und Deine Einladung nach Ingelheim zu finden. Empfange unseren herzlichsten Dank. Wir kommen sehr gern, und ‚Mer freie uns!‘ Es bedeutet uns so viel, nicht nur den 70. Jahrestag der Kristallnacht zu begehen, sondern  dazu noch in Ingelheim, wo wir so manchen Feiertagsgottesdienst in Herrn Langstädters Gottesdienst feierten.“ Ein Jahr später waren er, seine Frau Ruth und Sohn Ronald mit Ehefrau Jane in Ingelheim beim zweiten Treffen der Ehemaligen dabei.

 

Schriftlich blieben wir verbunden und immer wieder schrieb er über Erinnerungen an seine Kindheit in Ingelheim und über die Besuche hier, besonders an den ersten 1998. So schrieb er 2010 und 2013: „Vor zwölf Jahren um diese Zeit waren wir in Ingelheim, ein Aufenthalt, der uns durch Eure große Gastfreundschaft unvergesslich geworden ist. Oft durchblättern wir das Buch Ingelheim erinnert sich, das schöne Erinnerungen daran erweckt.“ Und: „Ich habe noch lebhafte Kindheitserinnerungen an Spaziergänge auf die Waldeck beim Besuch meiner Großeltern zu dieser Zeit und etwas später während der Laubfärbung … Andere unvergessliche Erinnerungen erscheinen in Deinem kolossal umfang- und inhaltreichen Buch Sie sind mitten unter uns, das zu den wichtigsten Werken unserer Bibliothek gehört.“

 

Mit Harold Neumann verliert der Deutsch-Israelische Freundeskreis Ingelheim den letzten Ingelheimer Zeitzeugen und was noch wichtiger ist, einen guten Freund. Alte Erinnerungen auszutauschen und neue Erkenntnisse zu gewinnen, auch dies hat uns mit Harold Neumann verbunden. Er wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Heute ist Harold beerdigt worden, meine Gedanken sind bei seiner Frau Ruth und den Kindern Ron und Barbara mit ihren Familien. Seiner Witwe Ruth habe ich telefonisch das Beileid des DIF Ingelheim übermittelt.

Der Ehrenvorsitzende des DIF, Hans-Georg Meyer, schrieb dankenswerterweise den Nachruf.

siehe auch AZ vom 17. November 2017

Jüdische Grabsteine in Ingelheim online gestellt.

a01_dsc8753aa
Jüdischer Friedhof Großwinternheim                          Foto: Michael Schlotterbeck

Beate Schwenk schrieb in der Allgemeinen Zeitung Ingelheim:

„INGELHEIM – Es ist eine ebenso mühsame wie verdienstvolle Aufgabe, der sich Klaus Dürsch über zehn Jahre hinweg gewidmet hat. Der Vorsitzende des Deutsch-Israelischen Freundeskreises (DIF) hat die mehr als 200 Grabsteine auf den vier jüdischen Friedhöfen in Ingelheim dokumentiert. Zunächst wurden alle Steine fotografiert, danach in akribischer Feinarbeit Inschriften entziffert und Abkürzungen entschlüsselt. Experten vom Essener Steinheim-Institut sorgten für Ergänzungen und die Digitalisierung der Daten. Das Projekt wurde von der Stadt Ingelheim und der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten finanziell gefördert.

 

„Die schwierigste Arbeit war das Entziffern der teilweise recht verwitterten hebräischen Schriften“, berichtet Klaus Dürsch, der elf Jahre lang in Israel gelebt und gearbeitet hat. „Manche Abkürzungen erschlossen sich erst in detektivischer Arbeit.“ Auf die Idee, die Grabsteine auf den jüdischen Friedhöfen zu dokumentieren, kam Dürsch, als er für den Friedhof Im Saal einen Lageplan anfertigen wollte. Im Jahre 2001 nämlich hatte man die Grabsteine, die in der NS-Zeit auf den Friedhof in der Hugo-Loersch-Straße gebracht worden waren, wieder an ihren ursprünglichen Standort Im Saal zurückversetzt. Bei seiner Arbeit entdeckte Dürsch, dass die bisherige Editierung ergänzungsbedürftig war.

 

 Seit dem 14. Jahrhundert lebten in Ingelheim nachweislich Juden. Wo die ersten Friedhöfe lagen, ist nicht bekannt. Die vier erhaltenen Ruhestätten – Im Saal, Hugo-Loersch-Straße, Rotweinstraße und in Großwinternheim – stammen aus der Neuzeit. „Abgesehen von den hebräischen Inschriften sehen die jüdischen Friedhöfe nicht anders aus als die Friedhöfe unserer Vorfahren“, sagt Dürsch. „Die Steine wurden von den örtlichen Steinmetzen gefertigt, es wurden die gleichen Modelle verwendet.“ Auch die Symbolik sei sehr ähnlich. Es gibt Bilder wie die abgeknickte Rose für ein verstorbenes Mädchen oder die gebrochene Säule für den Tod in der Lebensmitte. Doch auch typisch jüdische Symbole, wie die segnenden Hände, sind über einigen Gräbern zu erkennen. So zum Beispiel auf dem Grabstein von Abraham Mayer in Großwinternheim (gestorben im Juni 1870).

Der älteste noch erhaltene Grabstein stammt aus dem Jahr 1726 und steht auf dem jüdischen Friedhof Im Saal. Der graue Sandstein ist stark verwittert und die Inschrift schwer zu entziffern. Möglicherweise wurde der Grabstein für die Gattin eines Ber/Per Oppenheim errichtet. Ein besonders aufwändig gestaltetes Denkmal steht auf dem Friedhof in der Hugo-Loersch-Straße. Die Sandsteinstele mit Sockel und Rundbogenabschluss ist mit floralen Motiven verziert und erinnert an Bertha Stern (gestorben am 17. Juli 1892). Eine Besonderheit ist auch der Grabstein für die Familien Mayer-Goetz auf dem jüdischen Friedhof in der Rotweinstraße. Die Inschriften erinnern nicht nur an Michael Mayer, der dort 1935 beerdigt wurde, sondern auch an weitere Familienmitglieder, die in Auschwitz beziehungsweise nach der Flucht in Südamerika gestorben sind.

Datenbank hilft, Angehörige ausfindig zu machen

„Der weitere Verfall der Grabsteine, insbesondere der alten Sandsteine, wird sich nicht aufhalten lassen“, ist Klaus Dürsch bewusst. Durch die Dokumentation aber würden die Daten gesichert und stünden somit für Recherchen zur Verfügung. „Es kommt immer mal jemand vorbei, der Angehörige sucht“, erklärt der DIF-Vorsitzende. „Für diese Menschen ist die Datenbank eine Hilfe, Angehörige ausfindig zu machen und Informationen über sie zu erhalten.“

 Aktuelles aus Israel

Die kleinen Intitiativen in Israel werden durch die Spannungen oft übersehen. Deswegen hier ein Beispiel der Zusammenarbeit. Die untenstehende Deklaration ist dem Rundschreiben von Givat Haviva Deutschland, November 2015 entnommen.

 

Deklaration
Angesichts der gegenwärtigen Feindseligkeiten und der angespannten Situation in Israel haben wir, die Bürgermeister der benachbarten jüdischen und arabischen Gemeinden im Wadi Ara, die mit Givat Haviva im Projekt Shared Communities an einer gemeinsamen jüdisch-arabischen Zukunft arbeiten, uns entschlossen, uns an die Öffentlichkeit zu wenden. Dies ist unsere Erklärung:
I. Die israelische Unabhängigkeitserklärung bezeugt, dass der Staat Israel auf dem Prinzip der Gleichheit basiert und seit seiner Gründung Heimat für alle seine Bürger ist – sowohl für Juden als auch für Araber.
II. Wir rufen alle Bürger Israels – und besonders die Bewohner und Nachbarn unserer Region des Wadi Ara und des arabischen Dreiecks – auf, einander weiterhin mit Respekt zu begegnen und Schaden voneinander abzuwenden. Wir verurteilen vehement jeden Angriff auf Leib und Leben oder das Eigentum unserer Mitbürger sowie jede Form körperlichen oder verbalen Missbrauchs!
III. Wir appellieren an die Anführer beider Völker, die Hetze und das Schüren weiterer Unruhe zu unterlassen! Es ist jetzt unsere Aufgabe, für Ruhe und Frieden zu sorgen und die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Wir appellieren auch an die religiösen Führer, an Intellektuelle, Erzieher und Lehrer, uns bei der Erfüllung dieser Aufgabe zu unterstützen. Führen Sie uns in einen Dialog der Aussöhnung. Helfen Sie uns bei unserer Aufgabe, damit Kinder und Erwachsene mit dieser komple-xen Situation in einer Weise umgehen können, die sich nicht in Rassismus, Rachegefühlen, Bedrohungen oder Gewalt
gegenüber anderen manifestiert.
IV. Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass die beinahe 50-jährige Besatzung der West Bank unser Leben tagtäglich betrifft und beeinflusst. Sie ist der Grund für viele  Spannungen und die Gewalt und sie ist eine Gefahr für die Demokratie in Israel!
Wir fordern die israelische Regierung auf, eine politische Lösung zu finden, die es allen Menschen in Israel ermöglicht, in Sicherheit und Frieden zu leben!
V. Um die große Bedeutung des Tempelbergs/der Al-Aqsa-Moschee für Juden und Muslime wissend, fordern wir die Regierungen von Israel und Jordanien und die Palästinensische Autonomiebehörde, auf, diese Krise mit Umsicht und
Verantwortung zu lösen und den Status Quo dieser heiligen Stätte zu achten. In den letzten Jahren traten unsere Gemein-den dem Givat Haviva Programm „Shared Communities“ bei, in dem wir gute Nachbarschaft leben und gesunde und
konstruktive Beziehungen, zwischen den jüdischen und arabischen Gemeinden in der Region fördern wollen. Dieses Pro-gramm ist geeignet, Sicherheit sowie sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt für alle Einwohner der Region zu schaffen.
Heute, angesichts der Verschlechterung der Sicherheitssituation und der Verschlechterung der Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Israel, ist es unsere größtes Anliegen, die erreichten Fortschritte in den nachbarschaftlichen Beziehungen in
der Region zu wahren. Wir werden auch weiterhin unsere guten Beziehungen pflegen und geloben, auch in Zukunft an unserer Partnerschaft, die auf gegenseitiger Verantwortung, Respekt und Gleichheit zwischen Juden und Arabern in der Region und in dem Land basiert, mit all unserem Engagement festzuhalten.
Die Unterzeichner
Bürgermeister: Itsik Cholevsky, Bürgermeister Megiddo Regional Council Hassan Atamna, Bürgermeister Kafr Kara Local Council Mustafa Agbaria, Bürgermeister Ma’ale Irron Local Council Ilan Sade, Bürgermeister Menashe Regional Council Ibrahim Muassi, Geschäftsführender Bürgermeister Baka el Garbiya Diab Ghanem, Bürgermeister Zemer Regional Council Rani Aidan, Bürgermeister Emek Hefer Regional Council
Givat Haviva: Riad Kabha, Direktor Jüdisch-Arabisches Zentrum für den Frieden Mohammad Darawshe, Direktor Shared Living-Programme Itamar Shwika, Direktor Stiftung Havatzelet Yaniv Sagee, Generaldirektor Givat Haviva.

 

 

Michael Sternheimer

Vieles könnte ich über Michael Sternheimer, mit dem ich über 25 Jahre befreundet sein durfte, schreiben.Von unseren gemeinsamen Reisen durch Israel, den Deutsch-Israelisch-Palästinensischen Autorentreffen, den vielen Übersetzungen für den Deutsch-Israelischen Freundeskreis Ingelheim (DIF) und das Zur-Verfügung-Stehen bei israelischen Besuchern in Ingelheim (auch bei derersten Begegnung mit den ehemaligen Ingelheimer Juden 1998 und einer der ersten Begegnungen zwischen Jugendlichen aus Afula und Ingelheim im Haus derJugend), den privaten Begegnungen bei ihm in Mannheim und hier bei uns in Ingelheim. Über die langen Diskussionen zu bestimmten politischen Situationenund vieles andere.

Doch möchte ich an dieser Stelle nur beispielhaft erwähnen, dass er über viele Jahre ein manchmal sichtbarer, oft aber nur im Hintergrund begleitender Freund des DIF Ingelheim war. Sichtbar, wenn er für uns dolmetschte, so wie 1987, als der elffache israelische Fußballmeister Hapoel Tel Aviv in der Rotweinstadt zu Gast war. Das Freundschaftsspiel gegen eine Mannschaft der Spielvereinigung gewannen damals unsere Gäste mit 3:0. Mit Michael Sternheimer besuchte ich Afula, sprach dort mit dem Bürgermeister, dem stellv. Verteidigungsminister und einigen Stadträten über mögliche Verbesserungen der Beziehungen unserer beiden Städte und den begonnenen Jugendaustausch. Als der Berater des palästinensischen Präsidenten Abbas, Yasser Abed Rabbo, mit seiner Gattin und dem israelischen Autor und Poeten Amir Or in Ingelheim unsere Gäste waren, übersetzte Michael Sternheimer. Immer wieder war er  auch Gast bei Veranstaltungen unseres Vereines, transkribierte für uns Briefe und Schriften.

Nun sollen noch einige andere Personen zu Wort kommen, jene, die Michael auch kannten, ihn schätzten und mochten. Deshalb habe ich hier Auszüge aus einigen Briefen und E-Mails zusammengestellt, die mich nach meiner verschickten Information über den Tod von Michael Sternheimer im Jahre 2008 erreichten.

Ich denke, sie sagen mehr aus, als ich es jetzt schreiben könnte.

Hans-Georg Meyer

Ich habe den Michael während der 80er Jahren kennen gelernt. Er war später derjenige, der mir geholfen hat einen Lehrer zu finden, als mich auf Berlin vorbereitete. Ich war ihm dafür sehr dankbar. Schade.

Simon [Stein]

Ambassador Shimon Stein  

International Consulting, Tel Aviv

 

Wir trauern mit. Michael lernte ich 1987 kennen. Er begleitete mich 12! Tage durch Israel.

Dabei lotete ich in zahlreichen politischen Gesprächen aus, wie der Kontakt des Bundestages zu den politischen Parteien in Israel vertieft werden könne. Eines der Ergebnisse war der erste Besuch einer Likud-Delegation nach Deutschland.  

Dr. h. c. Johannes Gerster, Mainz

 

Nicht nur hat er wunderbar Gesagtes aus dem Hebräischen ins Deutsche und umgekehrt

übertragen, sondern durch sein einfühlsames Wesen Geborgenheit und tiefes menschliches Verständnis vermittelt. Er hat uns das Leben hier auf Erden dadurch leichter gemacht und uns ein wenig getragen – Dich, der Du ihn viel länger kanntest und der Du ihn Deinen Freund nennen durftest, muss sein Weggang aus dieser Welt sehr schmerzen. Wie ich ihn kenne, wird er Dich aus jener Welt heraus aber nicht aus den Augen verlieren, sondern Dich weiterhin mit seiner Liebe begleiten und beschützen.

Ich musste in den letzten Tagen oft an ihn denken –

Elfriede Rhode

Pädagogin, Mainz

 

Es tut mir so leid, ich habe keine Worte, nur Tränen.

Ruth Almog

Schriftstellerin, Tel Aviv

 

Danke, lieber Herr Meyer, für Ihre Worte. Ich bin Michael da und dort begegnet und war so fasziniert über seine Art und Dolmetscherkunst, dass ich ihm oft gesagt habe: Es gibt  keinen Dolmetscher, der  das so macht wie Du, der das so kann wie Du. Und das hing mit seiner Person zusammen – wie er auf andere Menschen zugehen konnte – und sich in sie hineingedacht hat, sie selbst auch zur Sprache bringen konnte. Manchmal war das schier unglaublich.

Ich hab ihn sehr gemocht und fühlte mich ihm verbunden und hätte gerne noch da oder dort auch mit ihm zusammen gearbeitet.

Rudi Pahnke

INI-Institut Neue Impulse e.V.  

für Kooperationen im deutsch-israelischen Jugendaustausch, Berlin

 

Ich bin wirklich sehr bestürzt, von Michael Sternheimer zu hören. Ich fand ihn einen wunderbaren Menschen. Ich fand ihn auch einfach noch – sehr jung! In seinem gesamten Wesen, was für ein angenehmer Kerl und wie begabt! Er hat ja erstklassig für uns alle gearbeitet, obwohl das ja schon aus meiner Sicht länger her ist, habe ich an ihn eine ausgesprochen positive Erinnerung und bin wirklich betroffen.

Annegret Held

Schriftstellerin, Rennerod


Chaverim Shalom,  

traurig und unverständlich ist Michaels Tod. Auch wenn jemand so krank ist, denkt keiner in diese Richtung. Ein guter Mensch, ein Phänomen und ein Chaver, der in unseren Gedanken bleiben wird. Jetzt sieht es so aus, dass wir uns zu wenig male getroffen haben. Schade.

David Tzur

Maler, Kiriyat Tivon

 

Ich denke, dass Michael Sternheimer sich bei allen, die mit ihm zu tun hatten, mit seiner hohen Sach- und Sprachkompetenz tief eingeprägt hat. Auch als jemand, der vielen, die zum ersten Mal in Israel waren, neben seiner offiziellen Aufgabe dieses Land näher gebracht hat, ohne dabei den kritischen Blick zu verlieren. In vielfacher Hinsicht ein beeindruckender Mensch.

Dr. Dieter Schiffmann

Direktor – Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, Mainz

 Mit ihm stirbt auch ein Stück meiner Jugendforum-Zeit. … Nie vergessen werde ich auch, wie wir uns während eines Jugendforum-Seminars in Bonn verfuhren, weil ich die Orientierung verloren hatte und er dringend von Frau Prof. Süssmuth im Bundestag erwartet wurde.

Aber auch das hat er mir verziehen.

Er war ein so wunderbarer Mensch und Freund, und ich bin sehr traurig, dass wir in den letzten Jahren fast nur noch aneinander vorbei gerannt sind und uns nicht die Zeit nahmen, einmal in Ruhe zusammen zu sitzen.  

Aber er wird uns nicht nur als Mensch, sondern auch als exzellenter Dolmetscher im deutsch-israelischen Beziehungsgeflecht fehlen. Er war  d e r  B e s t e, das wissen alle, die ihn erlebt haben, die bewunderten, wie selbstverständlich er Mimik und Gestik derer übernahm, die er übersetzte. Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, dass er mir auf Konferenzen und Tagungen nie mehr über den Weg laufen wird und wir uns nie mehr werden drücken können. Auch das tut schrecklich weh! Die deutsch-israelischen Beziehungen werden ohne ihn nicht mehr die gleichen sein. Ich weine um ihn und kann nicht damit aufhören…

Meggie Jahn

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Berlin

Obwohl ich Michael Sternheimer leider nur in den 2 Israel-Wochen letzten Jahres erleben konnte kann ich nachvollziehen, wie groß Deine Trauer ist. Deutschland und Israel hat einen wahrhaft guten Menschen verloren – ich danke Dir, dass ich Michael Sternheimer kennenlernen durfte – er wird immer Teil meines Israel-Bildes sein.

Norbert Neuser, Mitglied des Europäischen Parlaments, Boppard

 

Spenden Sie direkt: